Folge 22: Fundraising aka. “Money Makes the World Go Round”

Heute geht’s ums Fundraising. Kati bootstrapped ihr Startup Piña Colada – finanziert es also mit eigenen Mitteln und bestreitet ihren Lebensunterhalt nebenbei als Beraterin. Kristina hat einen Kredit bei Freunden und Familie aufgenommen. Ihren ersten Pitch hatte sie mit ihrer Mitgründerin Rae beim berühmten Startup-Inkubator YCombinator. Die beiden haben dabei viel gelernt und gutes Feedback bekommen, mit dem sie Artifact weiterentwickeln.

Da San Francisco und das Silicon Valley eine der teuersten Orte der Welt ist, entscheiden sich viele Gründer hier fürs klassische Fundraising bei Investoren. Gelingt es ihnen nicht, müssen sie ihre Idee begraben und sich einen Job als Angestellte suchen. Vielleicht lernen sie im Büro dann einen potenziellen Mitgründer kennen und können am Feierabend an ihrer eigenen Idee basteln.

Eine andere Möglichkeit ist sich bei einem Accelerator-Programm wie YCombinator, 500 Startups oder dem German Accelerator für die Unternehmensexpansion in die USA zu bewerben. Die Stimmung im Valley ist weiterhin gut: Das Geld ist da!

Wir haben diese Folge im Co-Working-Space für Frauen, The Wing, aufgenommen. Im Hintergrund hörst du deshalb viele emsige Kolleginnen bei der Arbeit.

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Wenn dir diese Folge gefallen hat, dann hör doch auch in Folge 6 Schon Gekündigt? Gründen vs Angestelltenverhältnis rein.

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Folge 21: Social Impact Inkubation – Hallo, Philipp von der Wippel

Philipp von der Wippel ist mit 23 Jahren unser jüngster Podcast-Gast. Er hat mit 16 bereits den Social Impact Inkubator ProjectTogether gegründet und ist nach seinem Studium der Philosophy, Politics, and Economics in Oxford wieder voll eingestiegen. Vor ein paar Wochen hat er Barack Obama in Berlin getroffen und wurde von der Obama Foundation portraitiert. Im April war er zum ersten Mal eine Woche im Silicon Valley unterwegs. Während Kristina mit ihrem Startup Artifact in New York City unterwegs war, hat Kati mit Philipp über Social Impact Inkubation, Policy Testing und die Herausforderungen und Chancen gesprochen, die sich unserer Generation stellen.

Philipps Team hat über 700 Social Impact Startups betreut, die große Herausforderungen wie den Klimawandel angehen. Bear Protein hat beispielsweise das erste biozertifizierte Insektenprodukt auf den Markt gebracht und richtet sich an Händler und Großkunden zur Weiterverarbeitung. #FreeInterrail ist ein Pilotprojekt, dass mit Unterstützung der Europäischen Kommission 15.000 18jährigen ein kostenloses Interrailticket zur Verfügung stellt, um der jungen Generation Europa näher zu bringen und Vorurteile abzubauen. Share ist eine neue soziale Marke bei Rewe und dm, die mit dem 1+1 Prinzip mit jedem gekauften share-Produkt einem Menschen in Not hilft und dir erlaubt über einen Code zu tracken, wo deine Hilfe ankommt.

Auf der Webseite von ProjectTogether kann sich jeder Gründer im Impact-Bereich mit seiner Idee in der Länge eines Tweets bewerben. Innerhalb von einer Woche stellt ProjectTogether den Gründern dann einen Coach zur Verfügung. Coaches werden übrigens auch immer gesucht, mit Industriekenntnissen, Erfahrung im Bereich Teamaufbau, mit Kontakten für die Early-Stage-Finanzierung oder als Türöffner in die Chefetage von strategischen Unternehmenspartnern.

Nebenbei engagiert sich Philipp auch für die Politik: Er will mit EuropeTogether eine Million junge Menschen im Alter von 18 bis 30 Jahre dazu bewegen, am 26. Mai 2019 an der Europawahl teilzunehmen. Eine Million Menschen, die ein vereintes Europa wollen, aber (bisher) nicht vorhaben, dafür auch ihre Stimme abzugeben.

Als Kati Philipp gefragt hat, was er sich von dir und den anderen Hörern wünscht, hat er Folgendes genannt:

  1. Mut: Wenn der Funke da ist, etwas angehen zu wollen, pack es an. Verabschiede dich von der Perfektion. Komm zu ProjectTogether!
  2. Zusammenarbeit: Wir brauchen auch Intrapreneurs in großen Unternehmen mit der Haltung, Dinge anders zu machen. Wir brauchen für jeden Entrepreneur mindestens einen Intrapreneur als Partner.

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Folge 20: Stromberg in Kalifornien – Hallo, Bjarne Mädel („Ernie“)

Schauspieler Bjarne Mädel war zum Berlin & Beyond Filmfestival in San Francisco zu Gast. Du kennst ihn unter anderem als Ernie aus Stromberg oder Schotty vom Tatortreiniger. Das Festival hat seinen neuen Film 25 km/h im schönen Castro Theater gezeigt. Wir haben mit Bjarne über seine Karriere, die Unterschiede zwischen der deutschen und amerikanischen Filmindustrie und Parallelen zwischen Schauspielern und Unternehmern gesprochen.

Kati: Guckst du gern deine eigenen Filme?
Bjarne: Beim ersten Mal schaue ich eher von außen aufs Handwerk, die Schnitte… meistens gucke ich sie mir beim zweiten Mal gern mit Zuschauern an und tue so als wäre ich auch einer. Ich kann mittlerweile Sachen von mir gut finden und bin stolz, wenn mir etwas gut gelungen ist. Ich war früher selbstkritischer, weil ich dachte, wenn ich einmal zufrieden bin, entwickel ich mich nicht mehr weiter.

Kristina: Was war der Grund, warum du die Rolle für 25km/h angenommen hast?
Bjarne: Die Geschichte kennt man ja schon, man denkt sofort an Knocking on Heaven’s Door. Mir war ganz klar, das Besondere kann nur die Beziehung zwischen den beiden Brüdern sein. Deswegen hab ich nicht direkt zugesagt, sondern gefragt, wer den Bruder spielt. Die Casterin Nina Haun hat damals gesagt, entweder macht ihr den Film mit Bjarne Mädel und Lars Eidinger oder ihr braucht den gar nicht zu machen. Ich hab mir gedacht, wenn Lars den Bruder spielt, dann hab ich Bock. Ich kannte ihn vorher aber gar nicht. Uns war wichtig, dass der Film emotional in die Tiefe geht. Lars sagt, er liebt mich wie einen Bruder. Aber wir fahren trotzdem nicht zusammen in den Urlaub. Wir haben für den Film beide den Ernst-Lubitsch-Preis 2019 bekommen. Das verbindet uns.

Kristina: Machst du lieber Serien oder Filme?
Bjarne: Im Moment gefallen mir Einzelprojekte. Ab Mai bin ich allerdings in der deutschen Netflix-Serie How to sell drugs online fast zu sehen. Ich find Netflix super, weil das die Strukturen in Deutschland aufgebrochen hat und den Sendern zeigt, dass sie kreativer sein müssen, um die junge Generation zu erreichen.

Kristina: Wie viel verdient man denn als deutscher Schauspieler?
Bjarne: Ich verdiene nicht so viel wie amerikanische Kollegen. Wir haben nicht den weltweiten Markt, nur Deutschland, Österreich und Berlin & Beyond. Mit ner Hauptrolle in Deutschland für nen supertollen Kinofilm, verdienst Du vielleicht 100,000 Euro und ein Amerikaner 30 Millionen. Eine Million kriegt bei uns keiner.

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PS: Wir haben gegoogelt; Wotan Wilke Möhring kommt übrigens aus Detmold. #nofakenews

Folge 19: Zurück in der Schule – Hallo, Daniela Gibson

Heute sprechen wir mit Daniela Gibson, der Leiterin des Standort San Francisco der Deutsch-Internationalen Schule im Silicon Valley. Wir sind zu ihr in den Nationalpark Presidio gefahren, wo sich die Schule befindet, bevor sie bald ins berühmte Castro-Viertel umzieht, um sich dort zu vergrößern. Daniela nennt die Schule liebevoll Villa Kunterbunt.

Daniela hatte schon immer Fernweh und war als Austauschülerin zum ersten Mal in den USA: in Ohio. 1995 ist sie zurück in die Bay Area gezogen und hat zunächst auf einem Segelboot gelebt.

Die Deutsche Schule in Mountainview feiert im Jahr 2020 ihr 20. Jubiläum, den Standort San Francisco gibt es erst seit acht Jahren. Als Daniela eine Schule für ihre Tochter gesucht hat, hat sie sich direkt wohlgefühlt. Der Standort startete mit 18 Schülern, heute gehen über 80 Schüler hier zur Schule. An beiden Standorten sind deutsche Lehramtsstudenten als Praktikanten willkommen.

Das Kurrikulum ist bilingual, die Hälfte der Familien hat sprachlich einen deutschen Hintergrund über mindestens ein Elternteil. Die Schule folgt sowohl dem Thüringer als auch dem Kalifornischen Lehrplan und versucht das Beste beider Welten zu vereinen.

Daniela hat vorher im amerikanischen Schulsystem unterricht und erinnert sich an die Unterschiede: Die Vorschule in den USA ist viel akademischer und versucht, Kindern schon rechnen, schreiben und lesen beizubringen. Die Deutsche Schule fokussiert auch das unstrukturierte Spielen. Das amerikanische Schulsystem ist generell mehr auf die Breite als auf die Tiefe angelegt. Klassenlehrer, die die Klasse über vier Jahre begleiten, gibt es im amerikanischen Schulsystem nicht. Weil Klassen häufiger gemischt werden, besteht weniger eine feste Klassengemeinschaft.

Community wird an der Deutsch-Internationalen Schule großgeschrieben, so werden neben den deutschen und amerikanischen Feiertagen beispielsweise auch das Chinese Neujahr oder der mexikanische Dia de los Muertos (Tag der Toten) gefeiert. Auch das Laternenfest und der deutsche Weihnachtsmarkt im Silicon Valley sind in der Bay Area sehr beliebt.

Bei der nächsten Klassenfahrt im Mai geht es nach Coloma auf Suche nach Gold. Wir wünschen den Schülern viel Erfolg!

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Die Webseite der Deutschen Schule findest du hier.

Folge 18: Happy Women’s History Month

In den USA ist der ganze März Women’s History Month und am 8. März war Weltfrauentag – in Berlin inzwischen ein gesetzlicher Feiertag. Als weibliche Gründer und Podcaster finden wir diese Aufmerksamkeit gut und scheinen in dieser Folge das Spotlight auf Frauen, die unsere Vorbilder sind. Passend zum Thema haben wir diese Folge im Co-Working-Space für Frauen, The Wing, aufgenommen. Im Hintergrund hörst du deshalb viele emsige Kolleginnen bei der Arbeit.

Zu Kristinas Vorbildern gehört Alexandria Ocasio Cortez (AOC); die Abgeordnete ist mit 29 Jahren die Jüngste im amerikanischen Kongress und damit zu jung, um für die Präsidentschaft zu kandidieren. Kati setzt daher auf Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien, die sich während der Anhörung der Supreme Court Richters Brett Kavanaugh mit ihren kritischen Fragen auf nationaler Ebene einen Namen gemacht hat. Kristina bewundert außerdem Stacey Cunningham, die erste Präsidentin der New Yorker Börse nach 175 Jahren. Die beiden sind sich einig, dass Frauen nicht mehr versuchen müssen, möglichst männlich zu sein, um als Leader ernst genommen zu werden.

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Folge 17: Executive Coaching & Leadership – Hallo, Katharina Schmidt

Heute haben wir Katharina Schmidt bei uns zu Gast.

Katharina lebt mit ihrem Mann und zwei Söhnen seit zwei Jahren in San Francisco. Sie ist selbstständiger Coach für Führungskräfte, Teams und Organisationen, sitzt im Aufsichtsrat der Deutschen Schule im Silicon Valley und macht einen Doktor in Leadership Psychology. Zuvor war sie professionelle Volleyballspielerin, hat einen MBA and der Kellogg School of Management gemacht und war als Beraterin tätig. Katharina spricht deutsch, englisch, niederländisch, französisch und spanisch.

Als sie nach San Francisco gezogen ist, hatte sie die Chance, sich als selbstständiger Coach und Organisationsentwicklerin neu zu erfinden und Wurzeln in San Francisco zu schlagen. Durch den Umzug nach San Francisco gab es ganz viel neuen Gesprächsstoff. Sie erinnert sich daran, welche Unterschiede zwischen Europa und den USA ihr als erstes aufgefallen sind: die hohen Kosten im Gesundheitswesen oder warum Amerikaner mehr lachen. Katharina und ihr Mann haben in The Atlantic gelesen, dass es daran liegt, dass viele Amis als Immigranten hierhin gekommen sind und über lachen leicht Vertrauen aufbauen konnten und Aufgeschlossenheit hier belohnt wird. Auf ourworldindata.org findest du weitere Daten zu den Unterschieden.

Obwohl Katharina im Silicon Valley lebt, sieht sie sich selbst nicht als Unternehmerin, sondern ihre Stärke darin, bestehende Dinge, besser zu machen. Sie glaubt daran, mit der eigenen Energie einen Dialog anzugehen, Leidenschaft zu entdecken, offen für Neues zu sein und mentale Kreation auszuprobieren, also sich Ziele auszumalen und darüber nachzudenken bis sie passieren, manchmal etwas anders als vorgestellt. Das funktioniert auch bei kleinen Dingen, zum Beispiel mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren zu wollen.

Wir haben mit ihr außerdem über Executive Coaching, das eigene Ego und Yoga gesprochen.

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Im Auftrag der Bundesregierung: Hallo, Generalkonsul Hans-Ulrich Südbeck

Foto Uli

Heute waren wir bei Generalkonsul Hans-Ulrich Südbeck in der Deutschen Residenz zu Gast und haben ihn bei einem Käffchen für unseren Podcast interviewt.

Hans-Ulrich trat 1991 ins Auswärtige Amt ein. Im Anschluss an die zweijährige Ausbildung und einen Einsatz im Auswärtigen Amt folgten Auslandsposten in Den Haag, Kiew und Belgrad. Zudem war er in Berlin und an der deutschen EU-Vertretung in Brüssel für den Westlichen Balkan und das Zivile Krisenmanagement der EU zuständig. Von 2012 bis 2013 leitete er die Außenstelle in Masar-e-Sharif als ranghöchster ziviler Vertreter beim Regionalen Kommando Nord in Afghanistan.

Seit August 2017 Jahren lebt der geborene Wuppertaler mit seinem Partner und seinen zwei Kindern in San Francisco und vertritt Deutschland als Generalkonsul an der Westküste der USA. Wir haben mit Hans-Ulrich über seine Karriere beim Auswärtigen Amt, seinen diplomatischen Alltag und die Unterschiede zwischen Deutschen in Deutschland und dem Silicon Valley gesprochen.

Kati: Du bist ja schon richtig lange beim Auswärtigen Amt…
Hans-Ulrich: Ja, meine wirkliche berufliche Laufbahn ist einzig und allein beim Auswärtigen Amt. Jeder mit einem Master kann sich beim Auswärtigen Amt bewerben – egal, ob Zahnarzt, Psychologe, Pfarrer, Historiker, Wirtschaftswissenschaftler oder Politikwissenschaftler. Die Ausbildung beginnt mit einem Crashkurs in Völkerrecht, Namensrecht, Geschichte, Wirtschaft, Englisch, Französisch oder einer weiteren VN-Sprache. Damals gab es 2.500 Bewerber und 60 Plätze, heute gibt es 2.500 Bewerber und 30-40 Plätze. Ohne Vorbereitung hat man keine Chance den schriftlichen Test zu bestehen. Meine Empfehlung für alle Bewerber ist, sich vier Wochen lang mit der Literatur, die man auf der Webseite des Auswärtigen Amts findet, auseinanderzusetzen. Im mündlichen Teil der Aufnahmeprüfung muss man einfach man selbst sein und das Auswärtige Amt überzeugen, das man mit allen Lagen, zurecht kommt, und mit Chauffeuren und Übersetzern genauso gut umgehen kann wie mit Staatspräsidenten. Das schöne ist, dass man alle paar Jahre einen völlig neuen Job hat, z.B. als Pressereferent in Singapur und dann als Wirtschaftsreferent in der Ukraine und dann als Länderreferent für Bulgarien und Rumänien… man hat also eine inhaltliche und örtliche Veränderung. Ich finde es auch sehr spannend, die Kollegen kennenzulernen und habe von jedem Posten 1-2 gute Freundschaften für den Rest des Lebens mitgenommen.

Kristina: Wie würdest du deinen Job in einem kurzen Satz zusammenfassen?
Hans-Ulrich: Mein Job besteht darin, die Besonderheiten an den verschiedenen Orten herauszuarbeiten und die deutschen Interessen dort zu vertreten.

Kristina: Zählt San Francisco für dich zu den guten oder schlechten Städten?
Hans-Ulrich: San Francisco ist aus vielen Gründen für uns eine top Location: Als schwules Paar mit zwei Kindern finden wir hier gesellschaftliche Akzeptanz vor. Es gibt wunderbare Schulen und Freizeitaktivitäten, ein fabelhaftes Klima, die Gelegenheit die Natur und die Küste zu erkunden. Beruflich bin ich hier als Generalkonsul ein “kleiner König” in meiner kleinen Firma. Als Generalkonsul ist man hier nicht ganz so fest in die Pflichtstruktur des Auswärtigen Amtes eingebunden. An anderen diplomatischen Posten gibt es eine sehr strenge Aufgabenzuweisung; vor allem in kleineren Ländern bekommt man mehrmals am Tag diplomatische Vorgaben und vertritt die deutsche Position. Hier habe ich mehr Freiheit wie ich meine Tage fülle. Es gibt unendlich viele spannende Themen.

Kati: Wie gibst du Innovationen aus dem Silicon Valley an möglichst viele Menschen in Deutschland weiter?
Hans-Ulrich: Das Königsmittel unserer Disziplin ist das Berichteschreiben und wir entscheiden, wer in der Bundesregierung unsere Berichte erhält, z.B. das Kanzleramt, das Forschungsministerium, das Wirtschaftsministerium, das Familienministerium oder das Gesundheitsministerium. Es ist kein Geheimnis, dass es Unterschiede gibt in den Emotionen, die wir Deutschen gegenüber neuen Technologien häufig zeigen im Gegensatz zu den eher optimismusbeflügelten Kaliforniern. Die erste Reaktion hier ist oft: “herrlich, fabelhaft, hat riesige Chancen, wollen wir tun” und in Deutschland “wir müssen das erst mal prüfen, sind da unsere Freiheitsrechte bedroht, haben wir ethische Bedenken?”. All das sind sehr valable Gesichtspunkte, dennoch besteht die Gefahr, dass man vor lauter Sorge, die man den neuen Technologien gegenüber zum Ausdruck bringt, auch Chancen verpasst, in dem man sich bestimmten Entwicklungen verschließt. Vieles von dem, was sich hier entwickelt, kommt, ob wir das wollen oder nicht. Die Möglichkeit für Deutschland sich den Konsequenzen zu entziehen ist geringer als man denkt. Wir müssen nicht alles übernehmen, aber uns diesen Fragen stellen und unsere wichtigen Kritikpunkte einbringen. Aber wir können das nicht einfach ablehnen, verbieten und abhaken. In Deutschland führen wir keine ausreichende Debatte über die neuen Technologien, ihre Chancen und Gefahren. Diese Botschaft wollen wir von hier nach Deutschland bringen. Wir bitten jeden Besucher, diese Debatte in Deutschland anzustoßen, voranzubringen und seinen oder ihren Beitrag zu leisten.

Kati: Warum glaubst du, dass es gerade jetzt wichtig ist, dass sich Deutschland die USA als Partner im Rahmen der wunderbar together Initiative ausgesucht hat?
Hans-Ulrich: Ich bin als typischer Wessi aufgewachsen, in der Überzeugung, dass neben den EU-Partnern die USA unsere besten Freunde sind. Die Beziehung und die Freundschaft zwischen Deutschland und den USA geht tiefer als unterschiedliche Ansichten auf politischer Ebene. Deshalb ist es wichtig, dass wir im Rahmen der wunderbar together Initiative diese Freundschaft feiern und neue Formen der Zusammenarbeit fördern zum Beispiel auf lokaler und regionaler Ebene. Mich freut, dass wir bisher nur positive Rückmeldungen bekommen haben. Ein erfolgreiches Beispiel ist die Städtepartnerschaft zwischen San Francisco und Kiel. Die Freundschaftsbewegung hat keine Anti-Washington-Speerspitze und wurde sogar von Präsident Trump begrüßt, der selbst deutsche Ursprünge hat.

Kati: Wie unterscheiden sich Deutsche im Valley von Deutschen in Deutschland?
Hans-Ulrich: Die Franzosen und die Italiener im Valley glucken enger zusammen als die Deutschen. Hier gibt es sehr viele Deutsche, die an einflussreichen Posten sitzen und unendliche Erfahrungen gesammelt haben, basierend auf ihrer Ausbildung in Deutschland, häufig aber kein besonderes Interesse daran haben, in Kreisen mit anderen Deutschen zu verkehren. Aus Sicht der Bundesregierung besteht die Gefahr, dass wir hier eine wichtige Ressource brach liegen lassen: Menschen, die in Heidelberg oder Hannover studiert haben, im Valley erfolgreich sind und gern etwas zurückgeben wollen. Wir müssen eine Willkommenskultur und Anknüpfungspunkte schaffen, z.B. mit einer Tour durch deutsche Universitäten, die Studenten “How to do business in Silicon Valley” näherbringt. Wir als Generalkonsulat versuchen die Deutschen etwas näher zusammen zu bringen und den wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Austausch nach Deutschland zu stärken. Die Bundesregierung könnte hier auch stärkere Anreize setzen.

Kati: Was nimmst du dir für die restliche Zeit vor Ort vor?
Hans-Ulrich: Wir leben im Zukunftslab der Welt, an jeder Straßenecke kann man Nobelpreisträger treffen, viele hier sind die Allerbesten in ihrem Fachgebiet weltweit, auch wenn sie auf den ersten Blick etwas nerdy aussehen. Ich frage mich natürlich, was meine Kinder lernen müssen, damit sie in der Welt von 2030 zurechtkommen. Wie können sie neue Technologien nutzen und diese gleichzeitig kritisch hinterfragen? Ich freue mich dies auch zurück nach Deutschland zu transportieren. Ich lasse mich nicht nur durch die Ratio, sondern auch durch Menschen und Emotionen leiten und lerne so neue Themen kennen. Man muss hier mit einem offenen Auge und Ohr hinkommen und die Chancen wahrnehmen, die sich ergeben. Delegationen, die hierher kommen und glauben in ein bis zwei Tagen das Silicon Valley aufsaugen zu können, sollten besser Zuhause bleiben. Es lohnt sich, hier länger zu bleiben. Es gibt hier viele brilliante Institutionen, unter anderem das Zentrum der 4. Industriellen Revolution, welches sich mit den Zukunftsfragen dieser Welt auseinandersetzt.

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